Verhalten ändern
Energie sparen

Energie Sparen durch Verhaltensänderung

Ein Mann guckt in den Kofferraum seines Autos. Dort ist lauter Ballast, der dort nicht sein muss. Er kann Energie sparen, indem er nur das transportiert, was er tatsächlich braucht.
Astrid Kurbjuweit
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4 Minuten

Heute treffen wir Jan und gucken mal, wo er ohne großen Aufwand eine ganze Menge Energie und Geld sparen kann.

Jan ist 36, arbeitet im Projektmanagement und optimiert eigentlich alles in seinem Leben. Das reicht von seiner Morgenroutine bis zu seinen Excel-Tabellen.

Nur sein Auto scheint eine Ausnahme zu sein. In Jans Kofferraum stapeln sich seit Monaten (oder sogar Jahren?) eine ganze Liste von Gegenständen, von denen er längst nicht mehr weiß, warum sie dort eigentlich sind.

Als er mal nachguckt, findet er einen angefangenen Sack Grillkohle vom letzten Sommer, mehrere Getränkekisten, die er vor Wochen schon zurückgeben wollte, Streusalz und Schneeketten (der nächste Winter kommt bestimmt), und – man weiß ja nie – seine Camping-Ausrüstung vom Festival im letzten Sommer.

Dazu noch diversen Kleinkram wie seine Gummistiefel, die er schon überall gesucht hatte.

Fast alles sind Dinge, die er nur braucht, wenn er mit dem Auto unterwegs ist.

Für Jan ist es also praktisch, seinen Kofferraum als mobiles Lager zu nutzen.

Allerdings bedenkt Jan nicht, dass dieses Lager keineswegs kostenlos ist. Er zahlt zwar keine Miete dafür, aber jeder Kilometer, den er mit dem Auto und dem gesammelten Ballast fährt, kostet mehr, als wenn er das Zeug mal rausnehmen würde, ohne den Ballast unterwegs wäre.

Wie viel mehr es kostet, das kann man ausrechnen.

Wer sich mit Jan identifizieren kann, sollte weiterlesen, denn es lohnt sich am Ende durchaus.

Warum jedes Kilo zählt: Die Physik des Ballasts

Es ist nicht nur ein Marketing-Gag der Autoindustrie: Gewicht kostet Energie. Jedes Mal, wenn Jan an der Ampel anfährt, muss sein Motor die gesamte Masse des Fahrzeugs beschleunigen.

Leicht vereinfacht kann man sagen: Die physikalische Arbeit W, die nötig ist, um eine Masse m zu bewegen, steigt direkt mit eben dieser Masse und der Beschleunigung a über die Strecke s:

W = F · s = m · a · s.

Einfach gesagt: Mehr Kilo im Kofferraum bedeuten mehr Kraftaufwand für den Motor. Als Faustregel führen 100 Kilogramm Zusatzgewicht zu einem Mehrverbrauch von etwa 0,3 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometern. Das klingt erst mal nach wenig, summiert sich aber bei Jans täglichem Pendelweg gnadenlos auf.

Jedes Kilo, das er das ganze Jahr über durch die Gegend fährt, trägt messbar zum Spritverbrauch des Autos bei. Der damit höher ist, als er sein müsste.

Der „Lager-Check“: Was kostet der Ballast?

Wenn wir uns Jans Inventar anschauen, können wir mal schätzen:

  • Grillkohle & Camping-Ausrüstung: ca. 25 kg
  • Getränkekisten & Pfandflaschen: ca. 30 kg
  • Kleinkram (Gummistiefel, Sportschuhe, Werkzeug, alte Decken): ca. 15 kg

Es kommt raus, dass Jan insgesamt rund 70 Kilogramm unnötigen Ballast durch die Gegend fährt. So viel wie ein Beifahrer.

Bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern und einem Benzinpreis von 1,80 € pro Liter zahlt Jan allein für das Privileg, sein Zeug spazieren zu fahren, rund 55 Euro pro Jahr extra. Das ist kein Vermögen, aber es ist Geld, für das er absolut keine Gegenleistung erhält. Es verpufft buchstäblich als Wärme und Abgas.

Hinzu kommt noch, dass natürlich auch Bremsen und allgemein die Mechanik stärker belastet werden und vielleicht eher verschleißen.

Der Aerodynamik-Killer auf dem Dach

Noch schlimmer als das Gewicht im Kofferraum ist alles, was außen am Auto befestigt ist. Jan hat nämlich auch die Querträger seines Dachgepäckträgers montiert gelassen. Er kann sich nicht vorstellen, dass die beiden schmalen Stangen einen großen Effekt machen können.

Falsch gedacht. Spätestens bei Autobahntempo stören sie den Luftstrom massiv.

Der Luftwiderstand wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Der zusätzliche Spritverbrauch durch den Dachgepäckträger ist also umso höher, je schneller man unterwegs ist.

Ein ungenutzter Dachgepäckträger kann den Verbrauch bei Autobahngeschwindigkeiten um bis zu 1,5 Liter auf 100 Kilometer in die Höhe treiben.

Je nach den Gewohnheiten kann hier also ein deutlich erhöhter Spritverbrauch resultieren. Wie hoch genau, hängt vor allem von den gefahrenen Geschwindigkeiten ab.

Wer den Ballast reduziert, den er tagtäglich durch die Gegend fährt, spart zwar kein Vermögen, aber eine durchaus sichtbare Geldmenge ein.

Der Aufwand, den man für diese Ersparnis treiben muss, ist gering, Kosten entstehen keine.

Ballast abwerfen: Der 10-Minuten-Plan für weniger Spritverbrauch

Man muss kein Minimalist werden, um ein wenig Geld zu sparen. Es reicht ein regelmäßiger Check:

  • Raus mit dem Saisonalen: Grillkohle im Winter? Eiskratzer im Hochsommer? Alles, was du in den nächsten zwei Wochen nicht sicher brauchst, gehört in den Keller oder die Garage.
  • Pfand-Management: Mach den Kofferraum-Check nach jedem Einkauf. Das Auto ist kein Zwischenlager für Wertstoffe.
  • Dachboxen & Träger: Wenn sie keinen Job haben, weg damit. Die Demontage dauert meist nur fünf Minuten, spart aber sofort ab dem ersten Meter.

Der Aufwand, den es kostet, Überflüssiges mal aus dem Auto zu räumen, ist für gewöhnlich überschaubar.

Und auch wenn die insgesamt mögliche Ersparnis eher eine kleine Summe ausmacht, so ist das Verhältnis von Aufwand zu Ersparnis doch ziemlich unschlagbar. Mit 10 Minuten Auto ausräumen kann man übers Jahr locker 50 Euro einsparen. Die meisten arbeiten für geringeren Stundenlohn.

Das Fazit: Energiesparen durch Verhaltensänderung fängt oft damit an, Ballast abzuwerfen – physisch wie psychisch. Ein aufgeräumtes Auto fährt sich agiler, bremst besser und schont den Geldbeutel.

Beitragsbild: KI-generiertes Bild